Regierungen erlassen Gesetze für eine Gleichstellung von Menschen mit einem Handicap. Aber: Gesetze machen Betroffene nicht zufriedener und bringen auch keine Gleichstellung. Regelungen werden über die Köpfe von behinderten Menschen getroffen und sind zudem noch wenig sensibel. Diejenigen, die Gesetze für Menschen mit Behinderung erlassen, sind meist nicht selbst betroffen und können die Lebensumstände der Betroffenen kaum nachvollziehen. Wenn trotz des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG) seit 2004 noch immer nicht zufriedenstellende Maßnahmen geschaffen wurden und Menschen mit einem Handicap nicht voll in die Gesellschaft integriert sind, müssen neue Ansätze geschaffen werden. Aber wie? Das kann nur funktionieren, wenn Betroffene stärker einbezogen werden und nicht über ihre Köpfe entschieden wird. Außenstehende können sich kaum in die Situationen und Gefühle der betroffenen Menschen hineindenken, daher können wahrscheinlich auch immer wieder neu erstellte Gesetze behinderte Menschen nicht zufrieden stellen.

Einbeziehung durch Verstehen

Menschen mit Behinderung sind durch ihr dauerhaftes Gesundheitsproblem im Alltagsleben mehr oder weniger eingeschränkt. Und vielen ist es nicht möglich, selbstbestimmt am zwischenmenschlichen Leben teilzunehmen. Auch Gleichstellung in der Arbeitswelt bringt Menschen mit Handicap nicht viel, wenn sie dort nicht anerkannt oder vielleicht sogar gemobbt werden. Ferner arbeiten Menschen mit Einschränkungen oftmals Teilzeit und verfügen durch die stark eingeschränkte Erwerbstätigkeit über weniger materielle Mittel. Weiterhin geht es um Teilnahme am sozialen Leben und den Gelegenheiten, sich eigenständig weiterzubilden sowie Kontakte außerhalb des Vereinslebens für Menschen mit Beeinträchtigungen. Möchten Menschen mit Behinderung Karriere machen, stoßen sie ebenso schnell auf Barrieren. Auch Vorurteile von Berufsberatern und Arbeitgeber sind nicht gerade hilfreich. Hier muss viel Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Menschen mit Behinderung dürfen nicht über sich bestimmen lassen

Gesetze können nur Vorlagen bieten, wenn überhaupt. Behinderte Menschen sollten in die Entscheidungen über ihr Leben stärker integriert werden und nicht nur über Behindertenorganisationen. Außerdem sollten Menschen ohne Behinderung besser über ihre Mitmenschen mit einer Behinderung informiert werden, damit sie verstehen, was ein Handicap für diese bedeutet. Gegenseitiges Verstehen und Rücksichtnahme wären ein guter Schritt, eingeschränkte Personen zu integrieren.